Vier Monate an der Algarve – vom November bis in den Februar. Kein Urlaub, sondern ein Stück Leben auf Zeit. In diesem Erfahrungsbericht erzähle ich, wie die Wohnungssuche wirklich lief, was der Alltag kostete und welche Dinge ich vorher gern gewusst hätte.
Vier Monate Langzeiturlaub an der portugiesischen Algarve kosteten mich rund 1.400 Euro im Monat, inklusive Miete für ein kleines Apartment in Strandnähe. Die Wohnungssuche vor Ort war leichter und günstiger als über Ferienportale. Die größten Überraschungen waren die feuchte Winterkälte in den Innenräumen und wie schnell aus Fremdheit Alltag wurde. Mein Fazit nach vier Monaten fällt eindeutig positiv aus.
Warum die Algarve und warum vier Monate
Die Idee entstand aus einem Frust über den dritten grauen November in Folge. Die Algarve war naheliegend: milde Winter, portugiesische Gelassenheit, europäische Zugehörigkeit und ein Flug von unter drei Stunden. Vier Monate deshalb, weil ich unter der 183-Tage-Grenze bleiben und den Kern des deutschen Winters überbrücken wollte, ohne meinen steuerlichen Wohnsitz zu verlagern.
Im Rückblick war die Dauer goldrichtig. Nach den ersten Wochen des Ankommens folgten zwei Monate, in denen sich echtes Alltagsleben einstellte – und das ist genau der Zustand, den man mit einem normalen Urlaub nie erreicht.
Die Wohnungssuche: erst online, dann klüger vor Ort
Mein erster Fehler war, alles vorab über die großen Ferienportale buchen zu wollen. Die Preise für vier Monate waren absurd, teils über 2.000 Euro im Monat für eine einfache Wohnung. Ich buchte deshalb nur die ersten zwei Wochen fest und suchte den Rest vor Ort.
Das war die beste Entscheidung der ganzen Reise. Über einen Aushang in einem Café und die Empfehlung einer Nachbarin fand ich ein kleines Apartment zwei Straßen vom Strand für 750 Euro im Monat – weniger als die Hälfte des Online-Preises. Die Lektion: Der Langzeitmarkt läuft an den Portalen vorbei, über lokale Gruppen, Aushänge und persönliche Kontakte.
Was der Alltag wirklich kostete
Meine monatlichen Ausgaben pendelten sich bei etwa 1.400 Euro ein. Die Miete machte mit 750 Euro den größten Posten aus, gefolgt von rund 300 Euro für Lebensmittel und Restaurantbesuche, etwa 150 Euro für Transport und Ausflüge sowie 200 Euro für Versicherung, Handy und Sonstiges. Damit lebte ich nicht luxuriös, aber gut – mit regelmäßigem Essengehen und Wochenendausflügen.
| Posten | Kosten pro Monat |
|---|---|
| Miete (Apartment, Strandnähe) | 750 € |
| Lebensmittel & Restaurants | 300 € |
| Transport & Ausflüge | 150 € |
| Versicherung, Handy, Sonstiges | 200 € |
| Gesamt | 1.400 € |
Die unerwarteten Hürden
Die größte Überraschung war die Kälte – nicht draußen, sondern drinnen. Portugiesische Häuser sind auf den Sommer ausgelegt, oft ohne richtige Heizung und Isolierung. An kühlen Januarabenden war es in der Wohnung ungemütlicher als erwartet. Ein guter Heizlüfter und warme Kleidung gehörten schnell zur Grundausstattung.
Die zweite Hürde war die Bürokratie rund um die Steuernummer, die ich für den Mietvertrag brauchte. Der Termin dauerte, das Formular war nur auf Portugiesisch, und ohne die Hilfe eines freundlichen Einheimischen hätte ich länger gebraucht. Sprachkenntnisse – und sei es nur ein paar Brocken – öffnen hier Türen.
Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht. Kosten, Mietpreise und Abläufe können sich je nach Ort, Saison und individueller Situation deutlich unterscheiden. Meine Zahlen sind ehrlich, aber nicht repräsentativ. Plane für deinen eigenen Aufenthalt einen Puffer ein.
Was ich beim nächsten Mal anders mache
Beim nächsten Winter würde ich noch weniger vorab buchen und noch mehr auf lokale Empfehlungen setzen. Ich würde von Anfang an einen Sprachkurs oder eine App nutzen, um schneller Anschluss zu finden. Und ich würde beim Wohnungscheck gezielt nach Heizung und Isolierung fragen, statt nur auf den Meerblick zu achten.
Fazit: Ich mache es wieder
Nach vier Monaten fiel mir der Abschied schwer. Die Algarve im Winter ist ruhig, mild und überraschend bezahlbar, wenn man sich vom Ferienportal löst. Der Langzeiturlaub hat mir gegeben, was ein normaler Urlaub nie kann: das Gefühl, für eine Weile wirklich woanders zu leben statt nur zu Gast zu sein. Nächsten Winter bin ich wieder da – nur besser vorbereitet.